Fender Jazz Bass 1968

Ein Fender Jazz Bass Baujahr 1968 ist bei mir gelandet, unverbastelt, aber schwer mitgenommen. Der muss ganz sorgfältig auf Vordermann gebracht werden.


Das Scratchplate ist zerbröselt und gewölbt, alle Schrauben sind total verrostet, die Saiten scheppern mächtig auf den Bünden, die Elektronik rauscht, knistert und knackt. Wir wollen das gute Stück  wieder in einen bespielbaren Zustand bringen, mit möglichst allen Originalteilen. Denn es geht ja auch darum, den Vintage-Wert zu erhalten, da muss soviel wie möglich original bleiben. Es soll aber kein Museumsstück für die Vitrine werden, der Besitzer will damit raus auf die Bühne.


Zunächst muss das abgeranzte Scratchplate runter. Ich brauche eine Stunde um die Schrauben rauszukriegen, denn die sind so verrostet, dass kein Werkzeug greift. Endlich ist es ab, da erscheint der Gunk von 50 Jahren. Dieser Bass wurde seit 1968 in einer Familienband in Frankreich gespielt. Und wie es aussieht nie gereinigt. Das mach ich jetzt.

Nach dem grossen Clean-up nehme ich mir die Elektronik vor. Die Lötstellen sind original, da hat niemand dran rumgebastelt. Deshalb kann man auch davon ausgehen, dass die Tonabnehmer original sind. Also wird da nichts ausgetauscht (ausser den verrosteten Schrauben), ich reinige die Potis mit Spezialsosse, bis alles einwandfrei läuft.



Mittlerweile ist ein neues passgenaues Original-Plate von Fender eingetroffen. Das hat auch die richtige Vintage-Optik. Die günstigeren Ersatzplates die bei mir liegen, haben die Schraubenlöcher nicht an den richtigen Stellen. Zusätzliche Löcher zu bohren, ist bei einem 1968 Fender VERBOTEN! Just don´t do it!

Jetzt erstmal einen ordentlichen Fret-Job machen. Die Bünde haben noch genug Material, aber sie müssen alle die exakt gleiche Höhe und die gleiche Rundung haben und blitzblank aussehen. Bei dieser Gelegenheit ölen wir gleich das Griffbrett, das hat es dringend nötig. Dann stellen wir den Hals ein. Die Halsschraube funktioniert auch nach 55 Jahren noch einwandfrei. Super! Neue Flatwound-Saiten drauf, damit er so klingt wie 1968.

Die Sunburst Lackierung ist etwas ausgeblichen, die Halsrückseite weist ordentliche Spielspuren auf, Vintage-Kenner nennen das „Mojo“, und da darf nix dran gemacht werden! Auch die Kratzer und Lackabschürfungen am Korpus zeugen von harter Musik-Arbeit. Bloß nix ausbessern! Das fällt unter „Natur-Aging“. Mittlerweile zahlen Leute ja richtig Geld, um ihre Instrumente so aussehen zu lassen, als wären sie schon 50 Jahre lang gespielt worden. Das nennt man “Relicing” und das machen wir auch. Denn ein abgeranzter Hals, wo kaum noch Lack drauf ist, der spielt sich wesentlich angenehmer.

Ein erster Soundcheck: Wow, der klingt super! Haben wollen! Aber der Besitzer ist schon informiert, der kommt gleich vorbei. Schade eigentlich. Der Bass passt so gut zu meinen 66igern. Und wie klingt der? Das hören wir im Video! Gleich draufdrücken und ein Like dalassen!



Bert Gerecht