Bass einstellen - so leicht geht das!
Hallo Tieftöner!
Längst nicht jeder weiß, wie ein Bass eingestellt wird.... Dabei ist es doch so: Jedes Auto fährt zuverlässig und besser, wenn es regelmäßig gewartet wird. Auch unser Lieblingsbass läßt sich wesentlich leichter bespielen und klingt besser, wenn kleine Wartungsarbeiten regelmässig ausgeführt werden. Dieser Workshop soll dazu motivieren, leichte Einstellarbeiten selbst auszuführen! ABER: Nimm aber deinen Bass nicht auseinander, wenn du nachher einen Gig hast und es dein einziger Bass ist!
Wer allerdings seinen eigenen Backliner hat, der die Bässe perfekt einstellt und in Schuss hält, braucht nicht weiterzulesen... Für alle anderen gilt: Lesen, verstehen, mitmachen!
Saiten
Fangen wir ganz von vorne an, bei den Saiten!
Beim einen halten sie ein halbes Jahr, beim anderen nur einen einzigen Gig. Saiten sind Verschleißteile, die nur eine begrenzte Lebensdauer haben, abhängig von der Beanspruchung und dem Handschweiß des Bassisten. Da kommt es auch auf die Soundwünsche an: wer einen superbrillanten Sound möchte, braucht öfters neue Saiten als der Rocker, der einen dunklen Ton ohne viel Höhenanteile favorisiert. Faustregel: Wenn der Ton keine Höhen mehr bringt und es zunehmend schwer fällt, die Saiten zu stimmen, ist ein neuer Satz fällig. Dreck und Schweiß setzen sich in die Rillen und führen dazu, dass die Brillanz nachläßt, irgendwann ist die Saite "tot". Durch Auskochen der Saiten, haben Spezialisten herausgefunden, kann zwar der Dreck teilweise entfernt werden, aber die mechanische Abnutzung der Saiten läßt sich so nicht regenerieren, eine ausgekochte Saite klingt für kurze Zeit nochmal wie neu, ist dann aber schnell "toter als tot" ...
Korrekt aufziehen!
Wichtig ist auch, die Saite korrekt aufzuziehen: Die Saite muss ein paar Umdrehungen um den Schaft der Mechanik machen, und so nahe wie möglich an der Kopfplatte anliegen, damit sie fest im Sattel sitzt.
Auflagedruck
An der Brücke müssen die neu aufgezogenen Low B, E und A Saiten mit dem Daumen kurz vor dem Saitenreiter ordentlich heruntergedrückt werden, damit sie dort richtig sitzen.
Die Saitenlage
Das ist der Abstand der Saiten zum Griffbrett. Eine "korrekte" Saitenlage gibt es nicht! Sie ist abhängig vom persönlichen Geschmack und von der Musikrichtung, die gespielt wird. Der eine mag es etwas höher, der andere lieber etwas tiefer. Eine hohe Saitenlage begünstigt einen guten Ton, weil die Saiten freier schwingen können, die linke Hand hat aber mehr zu drücken. Eine niedrige Saitenlage läßt uns mit weniger Kraftaufwand spielen, aber die Nebengeräusche nehmen zu, weil die schwingende Saite schneller mal die Bünde berührt. Hier ist ein Kompromiss angesagt. Die Saitenlage wird durch Einstellung des Halsstabes und der Saitenreiter der Brücke eingestellt. Auch die Höhe des Sattels spielt eine gravierende Rolle.
Der Sattel
Er kann aus Knochen, Plastik, Messing, Graphit oder auch Ebenholz bestehen. Hier kommt es darauf an, wie er gefeilt ist! Ist er zu hoch, sind die ersten Bünde nicht gerade leicht zu greifen, ist er zu niedrig gefeilt, rasseln die Saiten auf den Bünden. Bei Problemen empfiehlt es sich, einen erfahrenen Gitarrenbauer mit einen Satz Vogelzungenfeilen dranzulassen!
Die Bünde
Auch die Bünde spielen sich irgendwann mal ab, und dann bekommen wir Nebengeräusche wie Schnarren, Scheppern und Rasseln, weil die Saiten die unterschiedlich hohen Bünde berühren. Ein guter Gitarrenbauer richtet die Bünde für eine optimal einstellbare Saitenlage ordentlich ab. Eine Neubundierung ist fällig, wenn die Bünde schon mehrmals abgerichtet wurden.
Die Brücke
Hier können wir die Höhe der Saiten mit den einzelnen Saitenreitern einstellen. Je nach Fabrikat brauchen wir einen oder mehrere Inbusschlüssel dazu, und dann wird an den kleinen Madenschrauben gedreht, bis die Saitenhöhe genehm ist. Aber obacht: Madenschrauben nie ganz rausdrehen, sie sind schnell verschwunden und sehr schwer einzeln zu beschaffen!
Die Halsneigung
Für ein cooles Bassfeeling ist die richtige Einstellung der Halsneigung wichtig. Da die Saiten einen enormen Zug auf den Hals ausüben, hat jeder Basshals aus Holz einen Stahlstab, der mit dem passenden Schlüssel eingestellt werden kann. Die Einstellschraube ist entweder oben an der Kopfplatte oder unten am Halsende zu finden; hier muß eventuell der Hals zur Einstellung abgeschraubt werden. Das hat mich immer schon genervt, deshalb haben HotWire Bässe immer die Einstellschraube oben: hier muss nichts abgeschraubt werden, einfach den Inbusschlüssel ansetzen, die A-Seite leicht zur Seite schieben und behutsam den Schlüssel drehen - eine Viertelumdrehung zeigt oft schon grosse Wirkung! Am besten dazu den Bass vor sich auf einen Tisch legen, mit der Kopfplatte nach links. Dann setzt du den Inbus an, hältst den Bass mit der rechten Hand fest und drehst behutsam die Schraube mit der linken Hand.
Korrekte Halskrümmung
Drehen im Uhrzeigersinn (also Inbus zu dir hin bewegen) zieht die Schraube an, der Hals geht nach hinten, und die Saiten kommen näher an das Griffbrett. Inbus von dir weg bewegen lockert die Schraube, und die Saiten kommen höher. Der Hals muß in sich etwas "hohl", also "konkav" eingestellt werden. Ist der Hals zu hohl eingestellt, spricht man auch von einem "Flitzebogen"...
Faustregel: 2 Millimeter Spielraum am 7. Bund sind cool, wenn die tiefste Saite im ersten und letzten Bund niedergedrückt wird und man vor der Seite auf die Saiten schaut.
Der Halswinkel
Bei Bässen mit geschraubten Hälsen läßt sich auch der Halswinkel verstellen. Bei manchen Instrumenten (70iger Jahre Fender, Music Man, G&L) ist bereits eine Einstellschraube dafür an der Halshalteplatte vorgesehen. Bei den meisten jedoch funktioniert das so: Man schraube den Hals ab – vorher die Saiten total entspannen - nehme ein Stückchen Furnier, einen Schnippel einer Visitenkarte oder schneidet sich einen Streifen einer Telefon- oder Scheckkarte passend (ist aber meistens zu dick) und legt diesen ganz hinten in die Halstasche (so nennt sich die Halsfräsung im Korpus). Eventuell mit einem Fitzel Tesa fixieren! Sodann schraubt man den Hals wieder drauf, bringt die Saiten wieder an und stimmt den Bass durch. Ein Geduldsspiel, bei dem auch etwas Erfahrung nötig ist!
Die Intonation
Das ist die "Bundreinheit", diese läßt sich am besten mit einem Stimmgerät einstellen. Der gegriffene Ton im 12. Bund muß mit dem Flageolett im 12. Bund verglichen werden. Beide müssen die gleiche Tonhöhe haben, dann stimmt die Intonation. Dazu müssen die Saitenreiter der Brücke in der Länge verstellt werden. Saitenreiter nach vorne bewegen – der Ton wird höher, Saitenreiter nach hinten ziehen – der Ton wird tiefer. Dazu brauchen wir den passenden Schlüssel für die Brücke, der sollte immer im Basskoffer liegen.
Schwierig, schwierig!
Stimmt – es ist eine Wissenschaft für sich. Die korrekte Bass-Einstellung ist die kombinierte Justierung sämtlicher hier erwähnten Komponenten. Vieles davon läßt sich selbst machen, also einfach mal anfangen und sich reinschaffen, man kann nur gewinnen – an Erfahrung, und hat ein besser klingendes und leichter bespielbares Instrument, wenn alles richtig gemacht wurde!
